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27 Mai 2021

Auszüge aus der Videobotschaft des Papstes zum Abschluss des Teresa-Kongresses in Ávila

Teresa von Jesus ist einzigartig, zuallererst, weil sie heilig ist. Ihre Gelehrigkeit gegenüber dem Geist vereint sie mit Christus, so dass sie „ganz und gar in großer Liebe zu Gott entflammt ist.“ In schönen Worten drückt sie ihre Erfahrung aus, wenn sie sagt: „Ich habe mich ihm ganz hingegeben und bin so sehr verändert, dass mein Geliebte nur für mich und ich nur für ihn da bin.“ Jesus hat gesagt: „Wovon das Herz voll ist, geht der Mund über“ (Lk 6,45). Der Wagemut, die Kreativität und die Großartigkeit Teresas als Gründerin sind Frucht der Präsenz des Herrn in ihrem Inneren.“

Heiligkeit gibt es nicht nur für einige „Experten für das Göttliche“, sondern ist Berufung aller Glaubenden. Die Vereinigung mit Christus, die die Mystiker wie Teresa in besonderer Weise rein durch Gnade erfahren, empfangen wir in der Taufe. Die Heiligen regen uns an und motivieren uns, doch sind sie nicht dafür da, dass wir sie einfach kopieren, denn die Heiligkeit wird nicht kopiert, „weil uns das von dem einzigen und spezifischen Weg, den der Herr für uns vorgesehen hat, sogar abbringen könnte. Worauf es ankommt, ist, dass jeder Glaubende seinen eigenen Weg erkenne“, denn jeder von uns hat seinen eigenen Weg zur Heiligkeit und zur Begegnung mit dem Herrn,

Teresa lehrt uns, dass der Weg, der sie zu einer einzigartigen Frau und zu einer Bezugsperson für alle Jahrhunderte macht, nämlich der Weg des Gebetes, offen ist für all jene, die sich in ihrem Leben dem Wirken des Geistes öffnen; das Zeichen, dass wir auf diesem Weg voranschreiten, ist, dass wir immer demütiger und aufmerksamer für die Nöte unserer Schwestern und Brüder werden, immer bessere Söhne und Töchter des heiligen Volkes Gottes. Dieser Weg öffnet sich nicht für diejenigen, die sich für rein und vollkommen halten, wie die Katharer aller Zeiten, sondern für diejenigen, die im Bewusstsein ihrer Sünden die Schönheit von Gottes Barmherzigkeit entdecken, der alle aufnimmt, alle erlöst und alle zur Freundschaft mit sich einlädt. Es ist interessant, wie es das Bewusstsein, Sünder zu sein, ist, was den Weg zur Heiligkeit eröffnet.

Das Gebet machte aus Teresa eine einzigartige Frau, eine kreative und innovative Frau. Vom Gebet her entdeckte sie das Ideal der Geschwisterlichkeit, die sie in ihren Gemeinschaften verwirklichen wollte. Im Gebet fühlte sie sich als Braut und Freundin vom auferstandenen Christus angezogen; durch das Gebet öffnete sie sich der Hoffnung.

 

Aus: Osservatore romano, 152, Nr. 86 (48.709), 16. April 2021 (Italienisch).