BOTSCHAFT VON P. GENERAL zum 250. Todestag der heiligen Teresia Margherita vom Herzen Jesu

BOTSCHAFT VON P. GENERAL  zum 250. Todestag der heiligen Teresia Margherita vom Herzen Jesu

Am 7. März dieses Jahres jährt sich zum 250. Mal der Todestag der hl. Teresia Margherita vom Herzen Jesu, einer Schwester aus dem Karmel von Florenz. Geboren am 15. Juli 1747 als zweites von 13 Geschwistern in Arezzo, wurde sie am Festtag Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel auf den Namen Anna Maria getauft. Ihr Vater, Ignazio Redi, entstammte einer Familie, die sich durch eine gediegene kulturelle Tradition – zu seinen Vorfahren gehört Francesco Redi, einer der wichtigsten Naturwissenschaftler des 17. Jahrhunderts, dazu noch Dichter und Schriftsteller – und zugleich durch ein tiefes Glaubensleben auszeichnete. Der Cavaliere Ignazio war Anna Marias erster und wichtigster geistlicher Begleiter, durch den sie Gott kennen lernte und eine Anleitung zum Beten und zur Übung der Tugenden erhielt. Die Tochter fand in ihm einen klugen und entschiedenen Wegweiser, aber auch einen liebevollen und zärtlichen Vater.

 

Der Orden hat für ihr liturgisches Gedenken den Tag ihres Eintritts ins Kloster zur hl. Teresa in Florenz im Alter von 17 Jahren gewählt. Sie lebte dort nur gut fünf Jahre, bis zu ihrem Tod am 7. März 1770.

 

Der rote Faden eines einfachen, aber kraftvollen Glaubens zieht sich durch das gesamte Leben unserer Heiligen. Das Herz Jesu, ihr religiöser Name und Lebensprogramm, bildet das inspirierende Prinzip ihres ganzen Glaubenslebens. Trotz des Widerstands, auf den der Herz-Jesu-Kult in bestimmten, dem Jansenismus nahestehenden, toskanischen Kreisen ihrer Zeit stieß, wurde Anna Maria, auch dank des Einflusses ihres Onkels Diego, eines Jesuiten, und der eigenen Lektüre des Lebens der hl. Margareta Maria Alacoque, von dieser Spiritualität genährt. Deren Mitte bildet der Gedanke, dass das Leiden und die Herrlichkeit des Herrn Gegenwart sind: Christus liebt uns jetzt, wie er sich auch jetzt freut und leidet. Die Beliebtheit der Herz-Jesu-Frömmigkeit beim Volk beruht ja gerade auf diesem aktualisierenden Prinzip, das dem Leben des Christen an den Leiden und Freuden Jesu wahren Anteil gibt. In einem der bekanntesten Texte der Heiligen, den Exerzitienvorsätzen von 1768, greift sie diese grundlegende Wahrheit auf, wenn sie sagt, dass ihre Freuden und Leiden nur in Verbindung mit den Empfindungen des Herzens Jesu Bedeutung erhalten. Von daher zielt ihr Weg nicht so sehr auf die Erlangung der Vollkommenheit ab, als vielmehr auf die Glaubenshingabe. Genau aus diesem Grund fragt sich die Heilige – nachdem sie erklärt hat, dass die Liebe das einzige Ziel ihres Tuns ist – was man braucht, um mit Entschlossenheit und Treue ein solches Lebensprojekt auf sich zu nehmen. Und ihre Antwort lautet: „Ich muss mich nur ganz und gar Gott überlassen, … damit nur mehr Du in mir wirkst.“ Von dieser Haltung des vertrauensvollen, demütigen Sich-Überlassens und der immer schmerzlicher erlittenen, völligen Hingabe an das liebevolle Wirken des Vaters ist die Erfahrung der hl. Teresa Margherita zutiefst geprägt.

 

Bekannt wurde die hl. Teresa Margherita vor allem durch die Gnade des „Deus caritas est“ („Gott ist die Liebe“). Der schlichte, aber anstrengende Dienst als stellvertretende Krankenpflegerin, den sie bereits mit ihrer Ordensprofess begann, hat sie für den Empfang dieser Gnade vorbereitet. In einer Gemeinschaft, die oft von Erkrankungen heimgesucht wurde, kam dieses Amt zu den anderen ihr bereits übertragenen Aufgaben noch hinzu. Dieser Dienst wurde für sie zum konkretesten Mittel, um dem Herrn ihre ungeduldige Sehnsucht, Ihn zu lieben, auszudrücken. Aus allen Zeugenaussagen geht eine natürliche und geistliche Begabung für diesen Dienst hervor, in dem sich ihre ganze zarte Nächstenliebe großzügig entfaltete. Die mystische Gnade wird von einer ihrer Mitschwestern, die sie am aufmerksamsten beobachtete, in ihrer Zeugenaussage für den Prozess so beschrieben:

 

„Ich beobachtete noch im Jahre 1767 […] eine andere wahrnehmbare Veränderung in ihrem äußeren Verhalten, als ich sie einmal aus ihrer Klosterzelle herausgehen sah und ich hinter ihr herging, ohne dass sie mich beobachtete oder bemerkte, dass ich ihr folgte; ich erkannte da, dass sie in ihrem Antlitz richtig glühte, und außer sich oder weggetreten war, und inbrünstig, aber mit klarer Stimme nachdrücklich diese lateinischen Worte aussprach: «Deus charitas est, qui manet in charitate in Deo manet, et Deus in eo». Während sie diese Worte aussprach, ging sie bis zum Chor, und auch nach Abschluss der Zeremonien, als sie glaubte, dass niemand sie hören würde, sprach sie die Worte weiter aus, mehrere Tage lang, dabei aber immer in einem Ton und einer Weise, die ich oben beschrieben habe, so dass dieses Ereignis keiner Schwester verborgen blieb, die Gelegenheit hatte, sie zu hören, während sie glaubte, von keiner gehört zu werden; so hingerissen war sie von ihrem Gedanken.“

 

Von diesem Tag an wurde die junge Karmelitin von einigen Schwestern geradezu beschattet. Sie gingen ihr nach, um sich zu überzeugen, was in ihr vorging. Es war, als wollten sie die «unaussprechlichen Seufzer» hören, mit denen sich der Heilige Geist offenbart, sobald er in einem innerlich freien Herzen Wohnung genommen hat. Und tatsächlich bezeugten die Schwestern, dass die Heilige sich aufgrund dieser Gnadenerfahrung in neuer Weise «zu benehmen begann» und, ausgerichtet auf das neue Ziel, einen neuen Weg einschlug. Von der Liebe besessen sein, entflammt einen Menschen. Doch schon bald merkte Teresa Margherita, dass die Flamme der Liebe sie nicht nur wärmte und erleuchtete, sondern auch verbrannte und verzehrte, bis ihr jede Sicherheit und jeder Halt abhandenkam.

 

Die Briefe, die sie in den letzten zwei Jahren ihrem gelehrten und klugen Seelenführer Ildefonso di San Luigi schrieb, sind Hilferufe eines Menschen, der in der Dunkelheit eines ihn übersteigenden Geheimnisses herumirrt. Während einerseits ihre Dienstbereitschaft so stark wird, dass sie ihr kaum noch Zeit für ihr eigenes geistliches Leben lässt, durchströmt sie andererseits das Gefühl einer radikalen Armut und Unfähigkeit, auf eine Liebe zu antworten, die sich ihr mit solcher Kraft zeigt. Innere Kälte, Gefühllosigkeit, Niedergeschlagenheit, Widerwillen sind die am häufigsten in ihren Schreiben auftauchenden Begriffe, um ihren Seelenzustand zu beschreiben. Es gelingt ihr nicht, den in ihr bestehenden Widerspruch zu erklären: Widerwillen gegenüber jedem Erweis von Tugend und zugleich Sehnsucht, sich in allem dem Herzen Jesu anzugleichen. Da versteht sie, dass die Zeit gekommen ist, «zu leiden und zu schweigen  … und in allem unerschütterlich zu sein, so wie wenn sie gefühllos wäre», was sich im Übrigen leichter schreiben als verwirklichen lässt. Es bleibt ihr nichts anderes übrig als sich der einzigen Gewissheit auszuliefern, die ihr bleibt; und das ist nicht die Gewissheit ihrer Tugend, sondern der Liebe Gottes: «Im Übrigen tröste ich mich damit, dass mein guter Gott, obwohl ich eine solche Abneigung gegen ihn verspüre, trotzdem nie aufhört, sich auf die Suche nach meinem Herzen zu machen.»

 

Es ist ein voll ausgereifter und radikaler Glaube, zu dem Teresa Margherita gelangt ist. Es geht hier nicht einfach um die Zustimmung des Verstandes zu den Wahrheiten des Glaubens, die allerdings ein integraler Bestandteil des Glaubens bleiben, sondern der Glaube ist die Haltung, die sie in Gott – und nicht in sich selbst – ihre Sicherheit finden lässt. An diesem Glauben machte sie sich fest wie an ihrem Kreuz, in einer Hingabe, die um so umfassender war, je tiefer die Dunkelheit wurde, die sie bis zum letzten Tag ihres Lebens begleitete. Glauben und lieben gehen zusammen und streben zum gleichen Ziel hin; sie sind nichts anderes als zwei Ausdrucksweisen des gleichen kindlichen Vertrauens auf Gott, mit dem das Hoffen auf «seine Barmherzigkeit … und seine Liebe» untrennbar verbunden ist.

 

Das Zeugnis der hl. Teresa Margherita ist eine Mahnung für uns Karmelitinnen und Karmeliten des 21. Jahrhunderts. Es erinnert uns daran, dass die Gotteinung immer das Ziel ist und bleiben wird, auf das unsere Berufung zustrebt. Unsere Konstitutionen sprechen von einer «verborgenen» Gotteinung, wie es auch die Gegenwart Gottes inmitten der Geschichte der Welt ist. Gerade weil sie geheimnisvoll, d. h. verborgen ist, äußert sich diese Gotteinung nicht in außergewöhnlichen mystischen Phänomenen oder in besonderen und auffallenden Charismen, auf die der religiöse Ego-Mensch so begierig ist. Ihre äußere Gestalt ist eine ganz normale, ja geradezu dienende und unauffällige, wie sie auch Jesus in seinem irdischen Leben angenommen hat. Es ist die Gestalt eines Menschen, der Tag für Tag und Stück für Stück sein ganzes Sein in die Hände des Vaters gibt, in der sicheren Gewissheit, dass er es erneuert zurückbekommt, als Glied am verwundeten und verherrlichten Leib des auferstandenen Christus. Diese Hingabe erwächst aus einer größeren Sehnsucht, die Gott in einem «überfließenden» Maß in die Tiefe des menschlichen Herzens eingesenkt hat. Ohne sie würden das Christentum und noch mehr die kontemplative Berufung ihren Sinn verlieren. Wie es in einem kürzlich erschienen Buch beschrieben wird: «Nur von dieser Bewegung eines nicht abgesicherten Sprunges aus, aus der Bereitschaft, alles, was wir sind, zur Verfügung zu stellen, und dabei doch im Bewusstsein, dass es nicht ausreichend ist, kann das Christentum wieder zum heutigen Menschen sprechen und sich hörbar machen, denn es rührt eine sensible Saite an»[1]

 

[1] C. Giaccardi / M. Magatti, La scommessa cattolica, Il Mulino, Bologna 2019, 82.

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